2010-09-24

Gut geblasener Groove (4): Jazz-Rock Big-Band in Gießen - Knackig krachendes Großaufgebot feiert Premiere

Wenn eine überregional berüchtigte 4-Mann Jazz-Rock Crew plötzlich zu einer BigBand expandiert, kann dies potenziell in eine ganze Reihe von Richtungen losgehen – ein buntes Spektrum von Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen tut sich auf.

Wenn es dann der Live-Premiere dieses ungeheuren Vorhabens gelingt, mit derartiger Musik ein beachtliches Publikum sogar im (damit zugegebenermaßen verblüffend wandlungsfähigen) "Ambiente" eines ungewohnt voll besetzten Kaufhaus-Cafes zwischen Haus­halts­abteilung und Selbst­bedie­nungs­restaurant in Begeisterung und Frohlocken zu versetzen, dann haben die Jungs wohl einfach alles richtig gemacht.

Großes Kompliment an
Andreas Jamin und Christian Keul (arr.) mit „Captain Overdrive goes BigBand“

Neben den spürbar 100%ig motivierten und handwerklich fabulösen 15 hessischen Instru­mental­könnern - angereist u.a. aus Frankfurt, Marburg, Limburg - auf der Premierenbühne mitten in einer eher beschaulichen Stadt ohne Musikhochschule oder dergleichen, und dem damit sicher unvermeidlich verbundenen übermäßigen Organisations-Kraftakt im Vorfeld, möchte ich an dieser Stelle vor allem die Arrangements loben. Es bedarf eines guten Gespürs für Dynamik & Dramaturgie, um Jazz-Rock auf die große Besetzung zu skalieren, und neben all der immanenten Kraft der Stücke, des Kern-Quartetts und vor allem des Frontmanns und Power-Posaunisten Andreas Jamin noch genügend Platz für Atempausen (hier vor allem für das Publikum), gefühlvoll ruhige Minuten, entspannten Groove, genüsslich arrangierte Solistenkunst und sogar ein paar knisternde Momente für stilles Staunen zu erhalten. Doch natürlich wird man als CO-Jünger nicht enttäuscht - ganz im Gegenteil - man spürt wie erhofft die günstige Gelegenheit zur After-Work-Beinarbeit. Die dem entgegenstehende (für CO ungewöhnliche) Zähmung des Publikums auf Sitzplätze an durchnummerierten Tischen kam dabei den Bewegungsimpulsen ohne Frage erheblich in die Quere, aber hoffentlich der Qualität des aufwändigen Konzertmitschnittes zu gute.

Bleibt nur zu hoffen und die Daumen zu drücken, dass die Aufnahmen dieses Premierenabends gut gelungen sind. Zum Warmhalten bis zu deren möglichem Release empfiehlt sich wohl das preisgekrönte Ausgangsmaterial, erhältlich auf 2 CDs, eine davon auch bei amazon.de.

Mein Favorit des Abends - wenn ich mich recht entsinn' ;) - „The mechanic“.

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