... gelegentlich wird dies auch sehr reizvoll romantisch-melancholisch besungen.
Was steckt hinter dieser wahrgenommenen oder dargestellten Armut?
... mehr als Romantik und Melancholie - soviel scheint klar. Von daher ein paar wild zusammengebrauste Gedanken dazu:
Man könnte meinen, diese Darstellungen und Wahrnehmungen basieren auf einem Denken in Kategorien von Kontosalden, Einkommenshöhen und Konsumkraftklassen. Sind diese Kategorien gerechtfertigt? Haben diese Kategorien einen negativen Beigeschmack? Warum? Erfassen sie vielleicht nicht das wesentliche - erfassen sie überhaupt das menschliche? Die Bankenkrise hat uns gelehrt: Konsum und Geschäft sind Vertrauenssache. Vertrauen ist menschlich, ebenso wie das Mistrauen. Die oben genannten Kategorien kann man gewissermaßen als Vertrauensmaße sehen. Oder aber als Maß der Abhängigkeit. Ist also in dieser Verflechtung von Vertrauen und Abhängigkeit vielleicht ein Teil der Ablehnung begründet?
Vieles liegt in der Einstellung zum Geld, zu Menschen mit Geld, zu Menschen ohne Geld, also letztlich auch in der Einstellung zu den Menschen. Eine interessante Perspektive bietet sich, wen man betrachtet, wem man Geld gibt, statt nur wofür man es gibt. Geldfluss transportiert dabei nicht nur Vertrauen, sondern kann auch Abhängigkeit bedeuten. Hoher Umsatz bedeutet dann (scheinbar) hohe Abhängigkeit. Jedoch: Jeder der nicht (nur) aus Steuergeldern bezahlt wird, spürt ganz klar:
Diese Abhängigkeit ist stets zu gewissem und oft in hohem Maße bidirektional, also beiderseitig spürbar. Dennoch: Abhängigkeit - auch und insbesondere wechselseitige Abhängigkeit - ist etwas, wovor man leicht Angst bekommen kann, ja etwas, dass man gern geneigt ist abzulehnen, insbesondere dann, wenn das Vertrauen fehlt. Das Selbstvertrauen und das Vertrauen in die Mitmenschen. Diese beiden sind nicht wirklich trennbar - leicht fallen einem Charaktäre ein, die entweder nur das eine oder nur das andere im Übermaß aufzeigen, während es an dem anderen mangelt.

Man kann sich nicht auf das verlassen, was einem ohne Vertrauen und ohne Verpflichtung überlassen wurde, denn schon sitzt man einem Irrtum auf: Nichts wird einem ohne Vertrauen und Verpflichtung überlassen. Vertrauen bringt eine Verpflichtung mit sich.
Die Frage bleibt nun, ob es auch ohne Geldfluss geht? Oder anders: Unter welchen Bedingungen ginge es ohne Geldfluss besser? Wenn Geldfluss nicht mehr mit Vertrauen verknüpft ist und von ungleichgewichtigen Beziehungen geprägt zu einseitiger Abhängigkeit führt, verliert der Geldfluss seine verbindende Kraft. Dann sucht man sich Vertrauen in anderen, (meist nur scheinbar) geldfreien Zusammenhängen. Ob diese dann "ärmer" sind ist eine andere Frage. Ärmer an Geld sicherlich. Doch sind sie auch ärmer an Vertrauen und gegenseitigen Wechselbeziehungen? Noch anders gefragt: Sind sie auch ärmer an Abhängigkeit, Angst und Mistrauen?
Nun ein paar Fragen zum Ausklang:
Welcher Traum (oder Albtraum?) steckt hinter Erfindungen wie Umsonstläden?
Welche Vision enthält dieser Traum, was blendet, was wird ausgeblendet?
Wie war das noch gleich mit "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser??"
Und was würde wohl Stephen R. Covey
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